Die arabische Welt ist Veröffentlichungen der
Enthüllungsseite Wikileaks zufolge über das iranische Atomprogramm
offenbar viel besorgter als bislang bekannt. Wie aus den amerikanischen
Depeschen hervorgeht, die seit Montag online sind, drängte der
saudische König Abdullah die USA bereits mehrfach zu einem Angriff, um
das Atomprogramm des islamischen Landes zu stoppen.
Die rund 250.000 Dokumente, über die vorab mehrere Blätter berichtet
hatten, werfen ein Schlaglicht auf die US-Außenpolitik und bieten oft
unschmeichelhafte Einschätzungen von Regierungschefs in aller Welt. Die
US-Regierung hatte eindringlich vor einer Veröffentlichung gewarnt.
"Schlagt der Schlange den Kopf ab", soll der saudische König bei einem
Treffen mit US-General David Petraeus im Jahr 2008 gesagt haben. Den
Depeschen zufolge fürchten die saudischen Herrscher den wachsenden
Einfluss des Irans in der Region und besonders im gemeinsamen
Nachbarland Irak. Saudi-Arabien soll außerdem den Enthüllungen zufolge
dem energiehungrigen China Zugeständnisse angeboten haben, wenn sich
die Volksrepublik für härtere Sanktionen gegen den Iran einsetzt. China
ist ein wichtiger Handelspartner des Irans und will den Energiesektor
bei Sanktionen außen vor lassen.
US-Verteidigungsminister Robert Gates ist Wikileaks zufolge aber der
Ansicht, dass ein Angriff auf den Iran die Entwicklung von Atomwaffen
nur um ein bis drei Jahre verzögern würde, wie die "New York Times"
berichtete. Die Staatengemeinschaft verdächtigt den Iran, unter dem
Deckmantel der Energieerzeugung nach Atomwaffen zu streben, was die
Regierung in Teheran bestreitet. Neue Gespräche zwischen den fünf
UN-Vetomächten und Deutschland mit Iran sollen am Sonntag stattfinden.
Die Internet-Plattform WikiLeaks und mehrere internationale Medien,
darunter die „New York Times“ und der „Spiegel“, hatten am Sonntag mit
der Veröffentlichung von mehr als 250 000 vertraulichen oder geheimen
Berichten aus US-Botschaften begonnen. In den nächsten Tagen soll
weiteres Material publik werden. Zuvor hatte WikiLeaks mit
Feldberichten der Kriege in Afghanistan und im Irak für Aufsehen gesorgt