Vor der Stichwahl nimmt der Wahlkampf in Frankreich
an Schärfe zu: Angeblich sollen 700 Moscheen ein Votum für den
Sozialisten Hollande empfohlen haben. Der sprach von "Lügen und
Verwechslungen". Im französischen Wahlkampf ist ein Streit über eine
angebliche Empfehlung an Muslime entbrannt, nicht für Präsident Nicolas
Sarkozy zu stimmen. Sarkozy griff am Donnerstag in einem
Hörfunkinterview einen Bericht auf, wonach rund 700 Moscheen den
Gläubigen ein Votum für den Sozialisten François Hollande empfohlen
haben sollen.
Der Vorsitzende des Rates der Muslime (CFCM),
Mohammed Moussaoui, erklärte, ihm lägen keine Informationen über
Wahlempfehlungen vor. Die Zeitschrift zitierte den Leiter einer Pariser
Moschee, der sich dafür aussprach, zur Wahl zu gehen, "um unsere Würde
gegen die Islam-Angst" zu verteidigen. Hollande sprach im Radiosender
France Info von "Lügen und Verwechslungen". Die Zeitschrift "Marianne"
hatte auf ihrer Internetseite berichtet, dass muslimische Vertreter in
mehreren Großstädten zu einem Votum gegen Sarkozy aufriefen. Dahinter
stehe der frühere Sarkozy-Berater Abderrahmane Dahmane, der nach eigenen
Angaben ein Netz von 700 Moscheen kontrolliere.
Für Sarkozy sind die Gerüchte eine Belastung im aktuellen Kampf um eine zweite Amtszeit als Präsident
Das
linksgerichtete Online-Medium hatte am Samstag ein Schreiben in
arabischer Sprache veröffentlicht, das angeblich von Gaddafis
langjährigem Geheimdienstchef Mussa Kussa unterzeichnet wurde. In diesem
wird dem Chef eines libyschen Investitionsfonds bestätigt, dass das
Gaddafi-Regime bereit sei, Sarkozys Wahlkampf mit 50 Millionen Euro zu
unterstützen. Die Vereinbarung sei mit Sarkozys Vertrautem Brice
Hortefeux und dem Unterhändler Ziad Takieddine geschlossen worden, heißt
es in dem Dokument.
Sowohl Kussa als auch der Ex-Chef des
Investitionsfonds haben mittlerweile allerdings dementiert, das
Schreiben je gesehen zu haben. "All diese Geschichten sind gefälscht",
sagte der in Katar im Exil lebende Ex-Geheimdienstchef Kussa der
Nachrichtenagentur AFP. Der Sohn des libyschen Machthabers, Saif
al-Islam, hatte das Gerücht über illegale Spenden bereits 2011 in die
Welt gesetzt. In einem Euronews-Interview nannte er Sarkozy damals
"einen Clown", dessen Wahlkampf Libyen finanziert habe. Die libysche
Führung werde demnächst Beweise für diese Zahlungen vorlegen, fügte er
damals hinzu.
Saif al-Islam Gaddafi sitzt heute im Gefängnis.
Ihm soll wegen Mordes und militärischer Gewalt gegen Zivilisten der
Prozess gemacht werden. Für Sarkozy sind die Gerüchte eine Belastung im
aktuellen Kampf um eine zweite Amtszeit als Präsident. Er muss
befürchten, dass sie ihn in der entscheidenden Wahlrunde am kommenden
Sonntag Stimmen kosten. Sarkozy wird dort von dem Sozialisten François
Hollande herausgefordert. Dieser liegt in Umfragen klar vorn.