Der globale Halal-Markt ist nach wie vor ein
dynamischer Wachstumsmarkt. Zahlreiche muslimische und nicht-muslimische
Anbieter bieten unter anderem Lebensmittel, Dienstleistungen und
Finanzprodukte an und streiten um die Gunst von Millionen muslimischer
Konsumenten. Etwa 60 Prozent der muslimischen Bevölkerung der Welt ist
unter 30 Jahre alt.
„Es geht uns dieses Jahr in erster Linie um
unsere Konsumenten“, stellte Organisatorin Jumaatun Azmi schon zu
Beginn des World Halal Forums in Kuala Lumpur Anfang April klar. Das
vielbeachtete Forum wird von der malaysischen Regierung gefördert. Im
Kongresszentrum trafen so 600 Teilnehmer und 30 Redner aus aller Welt
unter dem Motto „Innovation und Inspiration“ zusammen. In den
verschiedenen Foren trafen islamische Gelehrte auf Geschäftsleute und
Akademiker auf Konsumenten.
Die dynamische Geschäftsfrau Azmi hat
mit ihrer Mediengruppe Kasehdia das Forum auf den Weg gebracht und zur
wohl wichtigsten Kontaktbörse von Halal-Anbieter und Konsumenten
ausgebaut. „Wir wollen nicht nur die industriellen Anbieter stark
machen, sondern auch die muslimischen Konsumenten“, stellt sie ihre
Motivation klar. Im Umfeld des Forums besteht durchaus die Sorge, dass
die Halal-Industrie von mächtigen, nichtmuslimischen Produzenten
beherrscht werden könnte. Am Rande des Treffens wurde bekannt, dass das
WHF eventuell seinen Standort wechselt und in die Türkei übersiedelt.
Auch
dieses Jahr widmete sich die Konferenz den üblichen Themen zwischen den
bekannten Halal-Angeboten, den Interessen der Industrie, aber auch dem
Verbraucher- und Konsumentenschutz. Vorgestellt wurden auch neue
Halal-Projekte im wachsenden Markt der sozialen Medien. Das Internet
ist als Kontaktbörse und als virtueller Marktplatz längst auch in der
islamischen Welt eine Zukunftsbranche.
Natürlich ging es auch um
die klassischen Fragen der Lebensmittelindustrie. Ganz oben auf der
Tagesordnung stand aber 2012 auch der Tierschutz. Es gibt einen starken
Trend hin zu „Bio & Halal“. Alle Teilnehmer erklärten den Tierschutz
und eine tiergerechte Haltung zu einer Priorität von Anbietern und
Verbrauchern. Viele Probleme entstünden für die islamische Rechtslehre
durch die industrielle Produktion von Lebensmitteln. Es genügt nicht nur
die Tiere nach islamischen Regeln zu schlachten, sondern sie müssen
auch tiergerecht gehalten und versorgt werden. Die Zertifizierenden im
Bereich der Tierhaltung werden daher zunehmend strenger und
professioneller gehandhabt. Hier gibt es in der islamischen Welt aber
auch noch einigen Nachholbedarf.
In einem weiteren Panel erklärte Rechtsanwalt Abu
Bakr Rieger zunächst die rechtlichen Probleme einer globalen
Zertifizierung und warnte gleichzeitig vor einer Überregulierung. „Schon
jetzt ist es nicht einfach für den Verbraucher, die verschiedenen
Halal-Marken und Standards zu verstehen“, bemerkte er. Außerdem
befürchten manche Muslime, dass durch globale Halal-Standards kleinere
Anbieter aus dem Markt gedrängt werden könnten. Die Aussicht auf einen
einheitlichen Standard stuften die Podiumsteilnehmer dann auch eher
pessimistisch ein. Bisher hätten überhaupt nur 10 Länder der 57
OIC-Staaten spezielle schriftliche Regeln für den Halal-Markt
ausgearbeitet. Das Kernproblem globaler Standards brachte Rieger auf
den Punkt: „Recht braucht Autorität.“ Um diese Autorität in Sachen Halal
streiten im Moment verschiedene islamische Länder.
Vielbeachtet
waren auf dem WHF auch die Podien rund um die verschiedenen
Finanzprodukte. Im dritten ging es dabei um Grundsätzliches. Zum ersten
Mal diskutierte das WHF den wachsenden Goldmarkt und die erfolgreiche
Einführung von „Halal Money“ in einigen asiatischen Regionen. Der
„Golddinar“ und der „Silberdirham“ werden inzwischen von diversen
Anbietern - private und öffentliche“ wieder auf dem Geldmarkt in ganz
Asien angeboten. Über Jahrhunderte handelten Muslime mit den bekannten
Gold- und Silbergewichten. Heute gibt es in Malaysia zusätzliche
moderne Bezahlsysteme - natürlich ohne Zins und auf Grundlage der alten
Einheiten. „Islamic Banking” dagegen wird als Kopie einer
un-islamischen Technik auf Grundlage spekulativen Geldes abgelehnt.
Eine der bekanntesten Initiativen war bisher der Kelantan Gold Dinar,
die in dem malysischen Bundesstaat offiziell eingeführt wurde und unter
der Leitung des spanischen Muslims Umar Ibrahim Vadillo für viel
Aufsehen sorgt.
Hierbei geht es den Initiatoren nicht nur um
Geld, sondern auch um ein Netzwerk islamischer Märkte, Verträge und die
Stärkung des internationalen Handels. Dr Ahmet Mydin Meera von der
Islamische Universität Kuala Lumpur ordnete die Bedeutung dieser
Geldreformen als sinnvoll ein. „Wir in Malaysia wissen, dass die
Finanzkrise dauerhaft sein wird. Ein Zusammenbruch des Geldsystems auf
Grundlage von Papier ist rational unausweichlich“, stellte der Volkswirt
fest.